Konzept
1997 entstand im nördlichen Saarland die Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück.
Es war und ist erklärtes Ziel, die praktische Arbeit als zentralen Begriff in das
Schulleben zu integrieren.
Im Umfeld der Schule entstand aus diesem Impuls heraus in den Jahren 2002/2003 ein
Schulbauernhof auf dem Schulkinder die Arbeit eines traditionellen, kleinen Gemischtbetriebes
tätig kennen lernen können. Das Projekt soll modellhaft zeigen, wie Landwirtschaft und
Schule als soziale Organismen in Zukunft zusammenleben können und wie sich Landwirtschaft
und Pädagogik gegenseitig ergänzen und befruchten.
Warum setzen wir Kinder dieser doch auch manchmal unangenehm scheinenden Arbeit aus?
Die Landwirtschaft bietet viele Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten. Motorische Fähigkeiten
und sinnliche Wahrnehmung werden geschult. Die Kinder sammeln Primärerfahrungen, was heute
auch auf dem Land nicht mehr selbstverständlich ist. Es entwickelt sich eine positive
Beziehung zur Natur, die später zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihr führt.
Früh schon lernen die Kinder die Kreisläufe der Natur und ihre Rhythmen tätig kennen und
durchleben sie mehrmals unter verschiedenen Aspekten. Durch die Pflege der Tiere lernen
sie es, Beziehungen zu knüpfen, zu pflegen und die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.
Sie müssen lernen Absprachen einzuhalten und Regeln zu befolgen. Darauf werden sie meist
nicht (nur) durch den Lehrer, sondern durch das Tier selbst hingewiesen. Die Schüler erleben
sich bei der Arbeit außerhalb des Klassenzimmers in neuen Rollen und entwickeln neue Aspekte
ihrer Persönlichkeit. Bei der Arbeit lernen die Kinder ihre psychischen und physischen
Grenzen kennen und erweitern. Und das Ganze – zumindest für die Schüler der Waldorfschule
- nicht (nur) in Form einer kurzen Klassenfahrt oder eines Projektes, sondern auf Dauer!
Die Arbeit auf dem Hof ist vom Stundenplan losgelöst. Jeden Morgen treffen sich Schüler
aus verschiedenen Klassen in Kleingruppen und versorgen von 8.15 Uhr bis etwa 8.45 Uhr
die Tiere. Jeder Schüler erlebt die anfallenden Arbeiten mehrmals im Jahr. Alle Klassen
beteiligen sich durch Aktionstage und Projektwochen an der Arbeit auf dem Hof. Es werden
Kartoffelkäfer gesammelt, Kartoffeln und Gemüse geerntet und verarbeitet, Futterkrippen,
Tränken, Trockenmauern und Ställe gebaut oder Zäune errichtet. Durch diese Arbeiten und
ein jährliches Hoffest wird der Hof zu einem Teil des täglichen Lebens der Schule. Jedoch
findet der Hof auch im regulären Unterricht wie zum Beispiel der Tier- oder Pflanzenkunde
seinen Platz. Einige Kinder erhalten mit gutem Erfolg Einzelförderung im landwirtschaftlichen
Zusammenhang.
Die Kinder der ersten Klasse besuchen wöchentlich begeistert den Hof, lernen die Tiere
kennen und helfen bei leichten Ernte – und Pflegearbeiten. Dabei erleben sie intensiv den
Jahreslauf und die Arbeitsrhythmen. Die zweite Klasse übernimmt die Verantwortung für die Hühner.
Die Kinder lieben es, täglich Eier zu sammeln, obwohl der Umgang mit den Hühnern für einige am
Anfang nicht einfach ist. Es traut sich nicht jeder ein Huhn anzufassen oder gar zu tragen!
Am Ende des Jahres aber gibt es keine Berührungsängste mehr. Die dritte Klasse erlebt die
Ackerbauepoche im Hofzusammenhang auf einem richtigen Feld. Außerdem versorgt sie die Gänse.
Ab der vierten Klasse kümmern sich die Kinder um die Säugetiere, einschließlich Futterwerbung,
und beschäftigen sich so verstärkt mit den Einzeltieren. Im ersten Jahr (4. Klasse) werden
die Schafe versorgt, dann die Pferde, Kühe und Ziegen. Zur Arbeit gehört immer auch die
Verarbeitung der Produkte des Tieres ebenso wie tierbezogene Projekttage und die Einbindung
des jeweiligen „Klassentieres“ in den Unterricht durch Klassen- und Fachlehrer. Den Lehrern
werden dazu bei Bedarf Materialsammlungen an die Hand gegeben.
Es ist unser Wunsch, dass die Schüler ab Klasse 8 im Rahmen von Projekten neue Aspekte der
Landwirtschaft, speziell der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, kennen lernen. Dies soll
hinreichen bis zu Themen der Landschaftspflege und der Rolle, die eine nachhaltige Landwirtschaft
für die Erhaltung einer touristisch interessanten und artenreichen Landschaft spielt.
Im Moment ist dieser Aspekt des Hofes aber noch nicht verwirklicht.
Die Kinder, besonders die der Unterstufe, lieben die Tiere und arbeiten voller Begeisterung
und Anteilnahme mit. Deshalb planen wir, die Landwirtschaft noch mehr in den regulären Unterricht
einzubeziehen und einen kombinierten „Landwirtschafts- und Gartenbauunterricht“ aufzubauen,
in dem ein Schwerpunkt auch die Verarbeitung der Produkte des Hofes sein wird. Missen möchten
wir und die Kinder den Hof sicher nicht mehr!
Im Rahmen der Programme für andere Schulen und Kindergärten können Betriebsbesichtigungen,
Ernteaktionen sowie individuelle Programme zu Schafen, Ziegen oder Hühnern angeboten werden.
Im Rahmen von Ferienprogrammen in Kooperation mit der Gemeinde Nohfelden verleben Kinder
einen Tag auf dem Hof, versorgen sämtliche Tiere, ernten und kochen selber und erhalten einen
Einblick in weitere Verarbeitung der Produkte des Hofes.
Die pädagogische Arbeit, die für andere Schulen und Kindergärten der Region angeboten wird,
wurde bis Anfang 2007 durch das Projekt LEADER+ der EU sowie des Umweltministeriums des Saarlandes
bezuschusst.